In Verbindung mit PCB beobachtete gesundheitliche Schädigungen
- ein Beitrag von Rudolf Uebbing - 
(Dieser Artikel v. 9. Nov. 2014 wird fortgeschrieben - letzte Fortschreibung am 19.06.2015.)

 

Der Bürgerinitiave habe ich vorgeschlagen, in eigener Verantwortung die
Resultate meiner Recherchen auf einer Unterseite in ihrer Website zu publizieren -
dies geschieht hiermit und stellt zugleich eine Einzelmeinung dar.

Diese Unterseite der BI-Webpage enthält im Wesentlichen Rechercheresultate zu gesundheitlichen Auswirkungen von PCB/Gemischen und wird in unregelmäßigen Abständen erweitert bzw. fortgeschrieben. Dies geschieht auch, weil leider einigen gutachterlichen Äußerungen oder auch Auslassungen vor dem Dortmunder Landgericht - sh. nicht stattgegebenen Befangenheitsantrag der Nebenklage in 2014 - klare Aussagen gegenüber zu stellen sind.

Ab Januar 2015 werden auf dieser Unterseite die hinzukommenden Ergänzungen nach oben gestellt, d.h. ältere Einträge erscheinen erst am Ende des Textseite. So soll denjenigen Lesern geholfen werden, die häufiger auf diese Textseite zugreifen wollen. 


Hinweise zur Ergänzung und Berichtigung der Informationen nimmt der Autor gerne entgegen ( rudolfuebbingdo@aol.com ).

 

 

 

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 Teil 9  (v.  04. Aug. 2015)  Anmerkung zu
PCB als endokrin störend (als "disrupter") wirkende Chemikalien (EDC):

 

Zu dem Grad der Gewissheit einiger spezieller Gesundheitsschäden bzw.
von Gesundheitsrisiken via PCB sei hier eine Fragestellung genannt:
Nur "verdächtig" oder aber "bekannt" -
Diese Fragestellung muss als geklärt angesehen werden - Begründung:

Lange Zeit galten Polychlorierte Biphenyle als "verdächtig", für den
Menschen krebsbewirkend zu sein.
Vor nun wenigen Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation WHO
den Status "verdächtig" für das PCB 126 entfallen lassen und
dieses PCB-Kongener als karzinogen für den Menschen eingestuft.

Eine ähnlich vorbehaltliche Aussage
(also: "verdächtigt" bzw. "suspected") zur disregulierenden Funktion von PCB
im menschlichen Hormonhaushalt wurde im Juli 2015 auf
einer Informationsveranstaltung in Essen
weitergereicht - diese Darstellung bedarf dringend einer Ergänzung:

PCB wird in einer US-Fachschrift von endokrinologischen
Forschern im Dezember 2014 als "known" bzw. mithin als "gewusste" oder als
"bekannte" endokrinologisch unterbrechende Chemikalie bezeichnet - siehe dazu:

INTRODUCTION TO ENDOCRINE DISRUPTING CHEMICALS (EDCs)
December 2014
AUTHORS
 On behalf of the Endocrine Society, the following individuals led
 the development of the scientific content of this document.
 Lead Author:
 Andrea C. Gore, PhD, The University of Texas at Austin
 David Crews, PhD, The University of Texas at Austin
 Loretta L. Doan, PhD, Endocrine Society
 Michele La Merrill, PhD, MPH, University of California at Davis
 Heather Patisaul, PhD, North Carolina State University
 Ami Zota, ScD, MS, George Washington University
 http://endocrine.org
 
Seite 10, Table 2: "known" endokrine disruptor: ... "PCBs"
(also nicht: "verdächtige" oder "suspected" endokrine disrupter,
sondern: "known" - siehe Tabelle 2 am a.O.)

 

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Teil 8  (v. 19. Juni 2015) - dokumentierte wissenschaftliche Ergebnisse zu den gesundheitlichen
Auswirkungen nach den Gefahrstoffbelastungen bei der Fa. Envio -  hier eine Zusammenstellung von
Facharbeiten:

Im folgenden gebe ich Hinweise zu Publikationen, die eng
in Verbindung mit dem PCB-Fall (Fa. Envio) stehen und
die Erkenntnisse im wesentlichen aus dem HELPcB-Programm
(RWTH-Aachen) wiedergeben. - Das Studium der Zusammenfassungen
bzw. der Fachartikel zeigt unzweifelhaft deutlich das hohe Maß der Assoziation
zwischen den Belastungen mit den arbeitsbedingten Gefahrstoffen
und den gesundheitlichen Symptomen der Betroffenen auf:


1.) V1 Innere PCB-Belastung von Angehörigen der Beschäftigten eines Transformator-Recycling-
Betriebs
T. Schettgen, M. Gube, A. Alt, W. Zschiesche, M. Hagmann,
M. Kraft, M. Wilhelm, T. Kraus, 
Arbeitsmed.Sozialmed.130 Umweltmed. 46, 03, 2011, S.139
weitere Artikelüberschrift:
Hohe innere PCB-Belastungen von Beschäftigten beim Transformatoren-Recycling

2.) V43 Nachweis von PCBs im Blut in Abhängigkeit von Expositionsdauer und Tätigkeit
sowie Effekte auf die Schilddrüse – erste Auswertungen
einer Langzeitstudie
M. Gube, T. Schettgen, A. Esser, J. Neulen, T. Kraus
Arbeitsmed.Sozialmed.Umweltmed. 47, 3, 2012 S. 136

3.) V44 Verlust an Quality adjusted lifeyears (QALY) nach einer PCB-Exposition von Arbeitern
eines Recycling-Betriebes, deren Familienangehörigen und Beschäftigten umliegender Firmen
A. Esser, J. Lang, M. Gube, T. Schettgen, T. Kraus
Arbeitsmed.Sozialmed.Umweltmed. 47, 3, 2012, S. 138

4.) V45 Psychische Beanspruchung durch PCB-Exposition
J. Lang, T. Schettgen, M. Gube, A. Esser, T. Kraus 
Arbeitsmed.Sozialmed.Umweltmed. 47, 3, 2012 138
 
5.)  V100  Entwicklungsstand und Gesundheitsstatus von PCB exponierten Kindern
A. Werthan1, G. Monika1, A. Esser1, A. Alt1, T. Schettgen1,
J. Lang1, K. Konrad2, D. Schneider3, S. Martin3, S. Deisz4, T. Kraus1
Eine Sonderpublikation von DGAUM, ÖGA, SGARM und ASU, S. 55 
 
6.) V108  Verlust an Quality-adjusted Lifeyears (QALY) nach einer PCB-Exposition
von Arbeitern eines Recycling-Betriebes im zeitlichen Verlauf des Vorsorgeprogramms
Health Effects in „high level exposure to PCB“ (HELPcB)
A. Esser, M. Gube, T. Schettgen, T. Kraus, J. Lang
Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, Universitätsklinikum der RWTH Aachen
Eine Sonderpublikation von DGAUM, ÖGA, SGARM und ASU, S. 59
 
7.) Dokumentation 53. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft
für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. -
Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin -
Frühjahrstagung der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin -
13.-16. März 2013, Bregenz, S. 252 - 256
Entwicklungsstand und Gesundheitsstatus von PCB exponierten Kindern
 A. Werthan1, M. Gube1, A. Esser1, A. Alt1, T. Schettgen1, J. Lang1, K. Konrad2, D.
Schneider3, S. Martin3, S. Deisz4, T. Kraus, S. 252 - 256
 
8.) Dokumentation 53. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft
für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. -
Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin -
Frühjahrstagung der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin -
13.-16. März 2013, Bregenz, S. 278 - 281
Gesundheitsbezogene Lebensqualität und QALY HELPcB im Längsschnitt I. bis III.
Querschnitt
A. Esser, M. Gube, T. Schettgen, A. Werthan, T. Kraus, J. Lang
Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Aachen,

9.) Hautveränderungen bei Arbeitern im Rahmen
einer Belastung mit Polychlorierten Biphenylen (PCBs)
Werthan A, Leijs M, Gube M, Esser A, Schettgen T, Alt A,
Lang J , Baron JM, Kraus T, Merk H
RWTH Aachen University, Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin,
Aachen u. Klinik für Dermatologie und Allergologie, Aachen
Umweltmed – Hygiene – Arbeitsmed 19 (2) 2014, S. 181

10.) Prävalenzraten des depressiven Syndroms nach einer
arbeitsbedingten Exposition mit Polychlorierten Biphenylen (PCB)
Gaum PM, Esser A, Schettgen T, Gube M, Kraus T, Lang J
RWTH Aachen University, Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin,
Aachen und Uniklinik RWTH Aachen, Aachen
Umweltmed – Hygiene – Arbeitsmed 19 (2) 2014, S. 181

11.) Veränderungen von Neurotransmitter Metaboliten nach einer arbeitsbedingten
Belastung mit PCB
Putschögl F, Gaum PM, Schettgen T, Gube M, Kraus T, Lang J
Uniklinik RWTH Aachen, Aachen
Umweltmed – Hygiene – Arbeitsmed 19 (2) 2014, S. 182

12.) Einfluss einer PCB-Belastung auf die Telomerlänge
in Lymphozyten und Granulozyten
Gube M, Wilop S, Ziegler P, Beier F, Vankann L, Werthan A,
Esser A, Kraus T, Brümmendorf TH
RWTH Aachen University, Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin,
Aachen, u.  RWTH Aachen University, Klinik für Onkologie,
Hämatologie und Stammzelltransplantation, Aachen
Umweltmed – Hygiene – Arbeitsmed 19 (2) 2014, S. 183

13.) DGAUM-Tagung 2015
Beitrag 199: Zusammenhang zwischen PCB-Exposition und Diabetes Mellitus im
PCB-Betreuungsprogramm HELPcB
(André Esser, Petra Maria Gaum, Monika Gube, Alexander Werthan,
Joseph Neulen, Thomas Kraus)

Zitat aus dem Abstrakt: "Ergebnisse
Im 1. und 2. QS finden sich für das zweite und dritte Quartil der Belastung mehrere Kongenere, bei
denen die ORs für DM signifikant erhöht sind. Nach Adjustierung für Alter, BMI und Steroideinnahme
im Rahmen der logistischen Regression blieb ein Trend im 2. QS für PCB 123, 114 und 52 erhalten. Im
3. Querschnitt gilt dies für PCB 52 und 28. Die multivariate lineare Regression mit HbA1c als
abhängiger Variable weist im 1. QS auf einen Zusammenhang von DM und PCB 28, 52 sowie der
Summe der Indikatorkongenere hin; ein Trend für die Kongenere 105, 114 und 123 wird ebenfalls
beobachtet. Im 3. und 4. QS sind diese Zusammenhänge zwischen PCB-Belastung und DM für
annähern alle Kongenere signifikant.
Diskussion
In der Literatur werden für PCBs mehrere Modelle für die Entstehung von DM bzw. negativer
Beeinflussung eines bestehenden DM beschrieben. (Fischer et al. 1996, Fischer et al. 1998, Langer et
al. 2002, Casals-Casas 2011). Mehrere epidemiologische Studien zeigen ebenfalls Assoziationen z.T.
auch mit Dosis-Effekt-Beziehungen zwischen einer PCB-Exposition und DM. Insofern ergeben sich in
Übereinstimmung mit der Literatur insgesamt Hinweise auf eine konsistente und biologisch plausible
Risikoerhöhung für einen DM nach PCB Exposition."  (Hervorhebung v.m.)


14.) DGAUM-Tagung 2015
Beitrag 310: Nachweis von Hydroxy-PCB-Metaboliten in Humanplasma mittels
online-SPE-LC/MS/MS
(Thomas Schettgen, Christina Aretz, Thomas Kraus, Natalia Soares Quinete)

15.) DGAUM-Tagung 2015
Beitrag 307: Periphere Neurotoxizität nach arbeitsbedingter Belastung durch polychlorierte Biphenyle
 (PCBs)
(Alexander Werthan, André Esser, Johannes Schiefer, Monika Gube, Thomas Schettgen, Anne
Alt, Jessica Lang, Thomas Kraus)
Zitat aus dem Abstrakt:
"Zusammenfassend sind pathologische Neurographie-Befunde mit höheren PCB-Belastungen auch nach
Adjustierung für Confoundern assoziiert. ...
Verschiedene Nachweise einer Toxizität von PCBs und Dioxinen auf das periphere Nervensystem durch
sind in der Literatur beschrieben worden."

16.) Wittsiepe, J., Wilhelm, M., and Kraus, T., 2012.
Levels of PCDD/F in blood samples of occupationally exposed workers from a
transformer recycling plant in Dortmund, Germany – first results.
J. Toxicol. Environ. Health A 75(8–10)

17.) Plasma Polychlorinated Biphenyls (PCB) Levels of Workers in a Transformer Recycling Company,
their Family Members, and Employees of Surrounding
Companies
Thomas Schettgen, Monika Gube, Andre Esser, Anne Alt & Thomas Kraus,
Institute for Occupational and Social Medicine, Aachen University, Aachen, Germany
Journal of Toxicology and Environmental Health, Part A, 75:414–422, 2012

18.) Kraus, T., Gube, M., Lang, J., Esser, A., Sturm, W., Fimm, B., Willmes, K.,
Neulen, J., Baron, J., Merk, H., Schettgen, T., Konrad, K., Wagner, N., Rink,
L., Hagmann, M., Fillies, B., Zschiesche, W., Kraft, M., Rauchfuss,
K., Wittsiepe J., and Wilhelm M., for the HELPcB-Group. 2012.
Development of a preventive surveillance program for former workers of a transformer and condenser
recycling company, their family members
and employees of surrounding companies.
J. Toxicol. Environ Health. A 75(8–10):.

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Von weiteren, anderen  Autoren als bei der RWTH-Aachen (i.w. nicht HELPcB-Progr.):

Bruckmann, P, Hiester, E., Klaas, M., and Radermacher, L. 2011.
Die Umweltbelastung durch polychlorierte Biphenyle (PCB) im Dortmunder Hafen.
Gefahrstoffe–Reinhaltung der Luft 71:151–158.

Radermacher, L., Altenbeck, P., Kraft, M., Delschen, T., and Hiester, E. 2011.
Ermittlung von PCB-Quellen im Dortmunder Hafen mittels Exposition von pflanzlichen Bioindikatoren.
Gefahrstoffe–Reinhaltung der Luft 71: 159–64.
 
 

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Teil 7 (v. 12. Juni 2015) - einige Informationen zur Neurotoxizität von PCB:

 

 

Fundstelle:
University of Gothenburg -  2012 / The Nordic Expert Group for Criteria Documentation
of Health Risks from Chemicals -  146. Polychlorinated biphenyls
(PCBs)- Birgitta Lindell, ISBN 978-91-85971-35-0  - dort auf Seite 37 -
von mir gekürzt ("...") übersetzt:

"Bei PCB-Gemischen wie bei verschiedenen Aroclors und bei
einzelnen PCB-Kongeneren wurde aufgezeigt, dass sie direkt auf neuronale
Zellen einwirken.

Mechanistische Studien in vivo und in vitro haben gezeigt,
dass (einige - d.Ü.) PCB-Kongenere ... direkt auf mindestens vier
verschiedene Weisen auf das Nervensystem einwirken:

-  Veränderung der intrazellulären Konzentration von Kalzium ... und
   damit veränderte intrazelluläre Signalübertragungswege
herbeigeführte Apoptosis (programmierter Zelltod - d.Ü.)
   als Folge der Aktivierung des Ryanodine-Rezeptors.
   Zelltod ... wird durch den N-methyl-Daspatarte-Rezeptor (NMDA) vermittelt,
veränderte Stoffmengen an Neurotransmittern wie Dopamin ...
vermehrte Freilassung von arachidonic acid ...
... ... ...
Von diesen Endpunkten wird angenommen, dass sie einen Bezug
haben zur motorischen Aktivität, zum Lernen und zum Gedächtnis,
zu nervlichen Schäden und abnormaler Gehirnentwicklung."
(Hervorhebungen v.m.)

Demgegenüber steht die Aussage eines vor dem Dortmunder
Landgericht befragten Gutachters:  "Wenn man weiß, dass man in
seinem Körper Stoffe hat, die da nicht hingehören,
kann das zu depressiven Stimmmungen und Angstgefühlen führen." 
Hatte dieser Gutachter in 2012 versäumt,
auf die dokumentierten Messergebnisse der
Nervenleitgeschwindigkeit bei einigen PCB-Opfern in Ostasien
detailliert zu verweisen, wobei sich dort schon vor
Jahrzehnten eine Verbesserung der Nervenleistung bei abnehmender PCB-Menge
im Blut gezeigt hatte, ferner vergessen, auf  Beobachtungen der
Nervenleitgeschwindigkeit im HELPcB-Programm hinzuweisen und die
beobachteten PCB-Konzentrationen  hier wie dort in angemessener Weise
zu vergleichen ??   Diese sehr wichtigen Hinweise auf erste diskutierbare
Quantifizierungsmöglichkeiten von PCB-Schäden im Nervensystem
wurden aus dem Envio-Prozess in den Medien nicht berichtet.

Für mich als medizinischen Laien scheint zwischen verminderter
Nervenleitgeschwindigkeit und z.B. Reaktionsvermögen sehr wohl eine
unmittelbare Beziehung bestehen zu können
(motorische Leistung / motorische Aktivität).

Das oben genannte, in der Presse berichtete Gutachterzitat, wenn
es denn Nocebo-Effekte überbetont, wie ich meine, ist hingegen u.U.
auffassbar als ein erster Schritt zur Einleitung einer sogenannten
Psychogenese der Symptomatiken bei den betroffenen Arbeitern
- ziemlich empörend angesichts der tatsächlichen PCB-Belastung der Envio-
Arbeiterschaft; die Argumentation mit einer Psychogenese seitens der Gutachter bei den
Versicherungen wird des öfteren beklagt -   in Verbindung mit der
Schadensregulierung ganz anderer Gefahrstoffbelastungen (sh. Dr. T. Merz).

Die Studien insbesondere der  nordeuropäischen Länder zu PCB mögen
gelegentlich besonders aufschlussreich sein - mein Eindruck.

 

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TEIL 6 (v. 06. Juni 2015)  - bitte, hier nur stichwortartige Darstellung:

 
Zur Schwellenlosigkeit von EDC (endocrine disrupter chemicals - zu Stoffen wie PCB, die im Hormonbereich störend wirken):

 
In 2013 haben 89 Ärzte auf internationaler Ebene, darunter auch zwei Mediziner aus Deutschland, eine Erklärung zur Situation im Hormonbereich (endokrine Disruptoren / EDC, Störung im Hormonsystem) abgegeben, die Berlaymont-Erklärung von Juni 2013:

Dort findet sich unter Pkt. 2.) zu dem Krankheitspotenzial von PCB folgende Aussage:
"Eine Exposition zu großen Mengen von polychlorierten Dioxinen, zu bestimmten polychlorierten Biphenylen (PCB) (bei Frauen mit Mangel an bestimmten Entgiftungsenzymen) und zu zu Dichlordiphenyldichlorethen (in jungem Alter)
ist n a c h w e i s l i c h ein Risikofaktor für Brustkrebs." (Hervorhebungen v.m.)

Anmerkung: Hier denke man an den betroffenen Envio-Arbeiter aus dem Münsterland, welcher um das ca. 10000-Fache mit PCB belastet war und wo zuhause der PCB-Wert bei der Frau noch um einen Faktor von 800 gemessen wurde (infolge des Kontaktes zu PCB-belastete Arbeitskleidung des Mannes). Basis: Referenzwerte aus 2010 seitens des Institutes Prof. Dr. Drexler oder auch Referenzwerte genannt in einem Dokument des ehem. Landesinstitut für Arbeit u. Gesundheit NRW - die RWTH Aachen gibt hier einen doppelt hohen Referenzwert an, so dass die o.g. hohen Belastungsfaktoren demnach durch den Divisor 2 zu teilen sind.)


Weiter unter Pkt. 2.) der Berlaymont-Erklärung:
"... PCB werden mit Entwicklungsneurotoxizität und einer beeinträchtigten Entwicklung des Gehirns in Verbindung gebracht."

Hier denke man an den DGAUM-Bericht (i.V.m. dem HELPcB-Programm), in welchem beobachtete, nachteilige Veränderungen an den Kindern der betroffenen Familien in Dortmund detailliert beschrieben wurden.


Zur Schwellenlosigkeit einiger PCB-bedingten Gesundheitsschäden - unter Pkt. 8.) der Berlaymont-Erklärung:
" ... aufgrund einer vorherigen internen Exposition gegenüber natürlichen Hormonen und, im Fall einer Hintergrundbelastung, gegenüber Substanzen mit ähnlichen Wirkprofilen... können sich die endokrinen Disruptoren ... zu den internen Konzentrationen addieren, ohne dass sie unbedingt einen Schwellenwert überschreiten." (Hervorhebungen v.m.)

 

Wissenschaftler der Chemischen Industrie haben zwar dazu prinzipiell Stellung genommen - die Klarheit der obigen Berlaymont-Aussage kann m.M.n. wegen der stimmigen mechanistischen Deutung in keiner Weise berührt werden und scheint daher fundamental bedeutsam zu sein:

Das Schwellenwertkonzept hat einen entschiedenen Mangel - weil die Schwelle in der Praxis eben nicht bedeuten kann, dass bei Schwellenwertunterschreitungen keinerlei nachteilige gesundheitliche Effekte eintreten können, und auch weil keine Beobachtungsdaten für extrem kleine Gefahrstoffmengen vorliegen und gewinnbar sind.

Demnach sind in einigen Fällen gesundheitliche Schäden prinzipiell möglich.

So können dann in den üblicherweise vorbelasteten Situationen auch kleinste Mengen an PCB als Zünglein an der Waage wirken, oder den Tropfen abgeben, der das Fass zum Überlaufen bringt bzw. dass sie eben in einer Instabilitätssituation den gesundheitlich nachteiligen Ausschlag hergeben können (sh. bitte auch Teil 3 in dieser Webunterseite, worin unmittelbar einleuchtende, elementarlogische Überlegungen gemacht sind).

Der Präsident der Endokrinologischen Gesellschaft führt in einem Schreiben an die Europäische Union die Problematik des Schwellenwertkonzeptes für den Bereich der Endokrinologie aus -

William F. Young, M.D., President, The Endocrine Society, 3. June 2013:
"Importantly, it cannot be assumed that a safe “threshold” level of
exposure to any given EDC can be identified
. ... it would be impossible to assign a lower safe limit of additional exposure." (Hervorhebungen v.m.)

Eine adverse Effektaddition in Form von Gefahrstoff-bedingten Gemischbelastungen erscheint aus informierter Laiensicht als ein schwerwiegendes Argument – nahezu wie Fundamentalkritik - an einigen Aspekten des Wirkschwellenkonzeptes, auch erst recht und gerade im Bereich von PCB (als ein mögliches Zünglein an der Waage).

Weiter unter Pkt. 8.) der Berlaymont-Erklärung – zur Einschränkung des Schwellenwertkonzeptes - wird auf Schadstoffe, wie sie im Envio-Fall nachgewiesen sind, besonderer Bezug genommen:
"Dies gilt in besonderem Maße für östrogenartige Wirkstoffe und für chemische Substanzen, die vergleichbar wirken wie Dioxine." (Hervorhebungen v.m.)

Anmerkung: In PCB-Gemischen bei der Fa. Envio wurden dioxinähnliche PCB vorgefunden, welche also vergleichbar den Dioxinen wirken. Zudem bestätigt sich damit prinzipiell ein weiteres Mal die Sinnhaftigkeit des EPA-Konzeptes von 1996 bei der Krebsrisikoberechnung in Abhängigkeit von bestimmten PCB-Dosen.

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Beobachtungen von Mutagenität bei PCB-Belastungen:

In Laborversuchen stellte sich PCB 3 als mutagen heraus.
"Für gewisse PCB (z.B. 4-Chlorbiphenyl) und Handelsprodukten (z.B. Aroclor 1221) wurde ... im Ames-Test eine mutagene Wirkung nachgewiesen (36)." - Anmerkung: Mutagene Wirkungen wie auch genotoxische Wirkungen gelten i.a. als schwellenlos. (Quellenangabe bei mir erfragbar.)

"These results show that metabolites of PCB 3 are induced genotoxic and that
each metabolite induces its own, specific type of DNA damage."


Vor über zwei Jahrzehnten wurden in der Tschechoslowakei Arbeiter, die längerfristig in einer PCB-produzierenden Fabrik tätig waren, auf Blutveränderungen untersucht. Die peripheren Lymphozyten wiesen vermehrte Chromosomenaberrationen auf. Die mittleren PCB-Plasmabelastung lag zwischen 320 bis 420 Mikrogr./Liter.

 

Somit wurde 1991 in vivo an Menschen eine Mutagenität i.V.m PCB-Gemischen bei Arbeitern festgestellt, welche Umgang mit Delor 103 und Delor 106 (PCB-Gemische)
über etliche Jahre hatten (D.h.: Feststellung von Chromosomenaberrationen bei Blutzellen von PCB-Arbeitern - ein vollständiger Ausschluss anderer Ursachen wurden in den mir vorliegenden Unterlagen nicht beschrieben).

 

Die oft lesbare Behauptung über die generelle Mutagenitätslosigkeit von PCB ist also anhand dieser Beispiele mehr als nur fraglich. - Nun, welchem Autor ist auch das komplette Studium von derzeit über 9600 Publikationen, die u.a. das Thema PCB abhandeln, vollständig zuzumuten, mag gefragt werden dürfen. - Was gilt überdies für das PCB 126, humankarzinogen gemäß der WHO ? - In Verbindung mit den aktuellen WHO-Krebseinstufungen von einigen PCB als humankarzinogen kann sehr wohl eine schwellenlose PCB-Schadwirkung diskutiert werden.

 

Konkretisierend mag im Sinne einer groben Vorstellung eine Überschlagsrechnung wie folgt sein:
Hierzu möchte ich den Algorithmus des EPA-Modelles der Krebsrisikobestimmung auf Lebenszeit (70 Jahre, Körpergew. 70 kg, 30 Jahre Exposition) auf eine kleinste Menge PCB anwenden - dazu zieht man bspw. rechnerisch die Masse eines einzigen Moleküls, z.B. mit dem Atomgewicht von ca. 326 heran (PCB mit 5 Chloratomen).

Anmerkung: Der EPA-Algorithmus für die Krebsrisikobestimmung gilt für bestimmte PCB-Gemische - Aroclor, sh. EPA-Doku. Pcb.pdf.

Um überhaupt eine Vorstellung der etwaigen Größenordnung des Risikos zu ermitteln, reiche hier diese Rechenweise (Linearität / Dreisatz) in einem ersten Schritt zunächst aus. - Effekte wie Hormesis, Sublinearität, Supralinearität oder anderer Verläufe bei kleinen Dosen bleiben wegen der Nichtbeobachtbarkeit kleinster Wirkungen unbestimmt.

 

Ergebnis **):
ca. 1 in 10 hoch 24 als zusätzliches „Lebenszeit“-Krebsrisiko
(1 PCB-Molekül als kleinste "Norm"-PCB-Menge / gem. EPA,
nur im Falle der PCB-Inhalation, 70 kg Körpergewicht, 30-jährige Exposition, 70 Jahre Lebenszeit)
**) Zahlenangaben hier lediglich zur Demonstration der EPA-Berechnungsmodi

Aber: Bei aufgenommenen PCB-Mengen in einem Bereich von etwa 1 Gramm (etwa wie bei den Yusho-, Yusheng-Unfälle) existieren in etwa 2 mal 10 hoch 20 Moleküle im menschlichen Körper, d.h. das zusätzliche „Lebenszeit“-Krebsrisiko beträgt somit nach weiterer Überschlagsrechnung größenordnungsmäßig 1:5000 **).

Zu dieser laienhaften Abschätzung sind freilich die Fachleute gefragt, welche die mitzuberücksichtigenden Vertrauensintervalle mittels mathematisch strenger Methoden abschätzen können. Von vornherein zu sagen, die Vertrauensintervalle seien für sinnvolle Aussagen zu groß, wäre voreilig - Aufgabe kann nur sein: Die Aussagengenauigkeit zu steigern, dass heißt die Spannbreite eines Wahrscheinlichkeitsintervalles klein zu machen.

Bei dieser Überschlagsberechnung erscheint mir das EPA-Modell für die Praxis zu kleine Risiken (via Luftpfad) anzugeben, weil die Inzidenz-/Mortalitätsraten für Krebs in einigen PCB-Betrieben öfters doch relativ höher sein können, wie in einigen Statistiken nachgelesen werden kann (spezielle standardisierte Inzidenz-/Prävalenzraten i.V.m. PCB-Belastungen größer als 1).

Als Unsicherheiten können der nicht völlig präzis ermittelte Risikoproportionalitätsfaktor (slope factor) und die nicht genaue Expositionsmenge im Falle des Belastungspfades via Luft geprüft werden. - So werden die Faktoren im Rechenbeispiel „sample 3“ der EPA bedeutend höher angesetzt, wenn für den Fall der Nahrungsaufnahme - i.V.m. bestimmten Fischkonsum - um einige Größenordnungen höhere Werte seitens EPA zugrunde gelegt werden.

Wer das nachrechnet sieht, welche konkrete Bedeutung die TEF-Faktoren, also die relative Giftigkeitsfaktoren, hier für spezielle PCB-Kongenere, im EPA-Modell zugewiesen bekommen.


Ist die oben angegebene Größenordnung des Krebsrisikos zumutbar oder ist das Risiko nicht vielmehr als entschädigungspflichtig zu prüfen (insbesondere wenn es sich als höher herausstellt) - wie im Rechtsstaat erwartet werden darf ?

Hinzukommend wären die vielfältigen, andersartigen PCB-Erkrankungsrisiken mitzuberücksichtigen - sh. beispielsweise die Dosis-Wirkungs-Beziehung im Falle von Diabetes Mellitus, die schleichenden Beeinträchtigungen im Nervensystem oder die adversen Veränderungen im Bereich des Hormonhaushaltes (Schilddrüse).

Als weitere Anwendung kann der Algorithmus der EPA-Krebsrisikobestimmung für den Fall der Luftbelastung mit z.B. 5 Nanogramm / cbm durchgeführt werden:

 

Ergebnis **):
weniger als ca. 1 in 10 000 000 als zusätzliches „Lebenszeit“-Krebsrisiko
("Norm"- PCB / gem. EPA, nur im Falle von PCB-Inhalation,
70 kg Körpergewicht, 10-jährige Exposition, 70 Jahre Lebenszeit)
**) Zahlenangaben hier lediglich zur Demonstration der EPA-Berechnungsmodi

 

Eine genauere Bewertung - ebenfalls im EPA-Modell der Krebsrisikobestimmung - kann seitens der Fachleute durchgeführt werden, wenn die speziell in der Luft beobachteten PCB-Kongenere mit ihren TEF-Werten aufaddiert werden.

Die Vorbehalte gegen diese rechnerische Abschätzungsmethodik für zusätzliche Krebsrisiken infolge von PCB-Belastungen bestehen offenbar in den USA weniger als hierzulande; das EPA-Rechenmodell wurde noch vor sehr wenigen Jahren im Falle eines PCB-belasteten Hochhauses in der US-Stadt Seattle angewendet.

Hier führe ich diese Beispiele an, um das Merkmal der Schwellenlosigkeit von einigen PCB-Gesundheitsschäden deutlich zu machen und hoffte, dass entschlossene Fachleute auf diese Thematik im Dortmunder Envio-Prozess eingehen.  Immerhin stehen zwei in den Medien publizierte Aussagen von Prof. Dr. Kraus und von Prof. Dr. Rettenmeier in keinem direkten Widerspruch zu einer Schadenschwellenlosigkeit von PCB.

 

 

 

 

 

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TEIL 5 (v. 04. Juni 2015) -  bitte, ab hier Fortsetzung über Fundstellen wie im Nachrichtenstil:

 

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PCB und Transformatorenarbeiter bis 1996 / Spandau:

Im Juni 1995 haben Spandauer Medizinwissenschaftler eine
PCB-Forschungsarbeit bei einer einschlägigen Fachzeitschrift  (vormals Neurotoxikologie)
eingereicht und über klinische Daten zu PCB-Vergiftungen in drei Fällen berichtet
(NeuroToxicology, Vol. 17(3-4), 1996, S. 639-643, Intox Press Inc.). Die Betroffenen
waren Transformatorenölen (großenteils Clophen A30) ausgesetzt. Dies kann
schon ziemlich genau an die Dortmunder Fälle erinnern.

Unter anderem wurde in Spandau eine graduell fortschreitende Polyneuropathie,
Akne und auch Chlorakne beobachtet. Auch nach Ende der PCB-Exposition
musste ein Fortdauern der neurophysiologischen Veränderungen
berichtet werden, wozu die Autoren die langen Halbwertszeiten
von PCB im menschlichen Körper als eine Erklärungsmöglichkeit in Verbindung brachten.

Wie die gesundheitliche Weiterentwicklung der Betroffenen bis heute verlaufen ist,
konnte ich nicht nachlesen; die RWTH-Aachen kennt o.g. Forschungsarbeit.
Für die Dortmunder Betroffenen wären die weiteren Spandauer Erfahrungswerte
besonders wichtig, wenn es sie denn gibt, darf man meinen - auch für HELPcB.

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Dosis-Effekt-Beziehungen:  PCB und Diabetes Mellitus (DM) -
s. DGAUM/Fachtagung 2015 -

"In der Literatur werden für PCBs mehrere Modelle für
die Entstehung von DM bzw. negativer Beeinflussung eines bestehenden
DM beschrieben. (Fischer et al. 1996, 1998; Langer et
al. 2002; Casals-Casas 2011). Mehrere epidemiologische Studien
zeigen ebenfalls Assoziationen z. T. auch mit Dosis-Effekt-Beziehungen
zwischen einer PCB-Exposition und DM."

sh. dazu: DGAUM – 55. Wissenschaftliche Jahrestagung 2015 . ABSTRACTS DER VORTRÄGE ,
S. 125., Hervorhebung von mir.

Eine Facharbeit habe ich zwischenzeitlich dazu gefunden, die aufzeigt, dass
Erhöhungen im Falle von Diabetes Mellitus in Verbindung mit erhöhten PCB-Belastungen
zu beobachten waren. Im Landgerichtssaal 130 in Dortmund war diese
Dosis-Effekt-Beziehung offensichtlich nicht bekannt 
- vielmehr wurde noch im April 2015 (Datum berichtigt, d.A.) dort richterlicherseits gesagt,
es gäbe keine Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Was war damit gemeint ?


Im Falle von PCB-belasteten Kindern hatte die HBM-Kommission des Umweltbundesamtes
sogar noch von stimmigen Dosis-Wirkungs-Beziehungen für mentale Entwicklungsstörungen
geschrieben  (Hervorhebung v.m.).  In den betroffenen Envio-Familien hat die
RWTH-Aachen im Zuge des HELPcB-Programms darüber hinaus einige bestätigende Beobachtungen
publiziert (DGAUM-Bericht, statistische Signifikanz). Gehören in der Klägerschaft des Envio-Prozesses
einige der betroffenen Väter ?

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TEIL 4 (v. 20. Jan. 2015) -

in Vorbereitung: Höchstbelastung PCB in Deutschland, Schädigungsmechanismen von PCB

Die Transformatorentechnologie ist mehr als ein Jahrhundert alt und Askarele (u.a. PCB-Gemische) werden seit ca. 1930
in Transformatoren zu deren Kühlung und zur Isolation eingesetzt - d.h. bei 50-jähriger Betriebsdauer von
Transformatoren oder weniger ist das Recycling bzw. die Reparatur von Transformatoren mindestens schon vor 1980
mit PCB-Belastungen der betroffenen Arbeiter verbunden.

So kann es erstaunen, dass ausgerechnet in Dortmund im Jahre 2010 die jemals in Deutschland höchstgemessene
PCB-Belastung verzeichnet wurde. - Warum werden vorhergehende Fälle, die ausführlich belegt und publiziert wurden,
nicht angemessen beachtet ? - So zu einem Mechaniker,  der wie die Envio-Arbeiter Transformatoren zerlegt hatte.
In einer Spandauer Klinik wurde 1995 in seinem Körper eine  4500 Mikrogramm PCB-Belastung pro Liter Vollblut
festgestellt.

Leider höre und lese ich nicht in der Lokalpresse, dass sich jemand von den PCB-Experten am Dortmunder Landgericht
um das gesundheitliche Schicksal des damals 32-jährigen Mannes kümmerte, um mehr Aussagensicherheit für die
aktuell betroffene Envio-Arbeiterschaft zu gewinnen.

Im Februar auf dieser Unterseite mehr dazu:

Hochbelaster PCB-Arbeiter (Spandauer Hospital 1995):
4500 Mikrogr. / Liter Vollblut und zwei weitere hochbelastete Arbeitnehmer
(zum Vergleich extreme Summe PCB 6 - im Dortmund:   376 Mikrogr. / Liter Blutplasma)

Hochbelasteter PCB-Fall in Polen:
500 000 Nanogramm / Gramm PCB im menschlichen Fettgewebe

 

Nordische Expertengruppe / Univ. Götheborg (2012):
Detaillierte Beschreibung von 4 unterschiedlichen PCB-Wirkmechanismen,
welche advers auf das Nervensystem einwirken
.

 

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TEIL 3 (zuerst hier eingestellt am 17. Jan. 2015):

 

Zur Verdeutlichung der Schwellenlosigkeit von PCB-Gesundheitsrisiken (gemäß US-EPA):

Für PCB-Konzentrationen usw. gibt es in Deutschland einige festgesetzte Werte (z.B. teils im Sinne des obligatorischen Vorsorgeprinzips nämlich die maximalen Konzentrationswerte von PCB in Nahrung - sh. Grünkohl-Monitoring - oder z.B. PCB-Konzentrationswerte in der Innenraumluft als Atemluft).

Ein "Null-Wert" für die PCB-Konzentration - als Zielwert, "goal" - lässt sich in einer Publikation der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA (United States Environment Protection Agency, Umweltschutzagentur) vorfinden.

Der dort genannte "zero"-Wert für PCBs bezieht sich auf Trinkwasser und ist ein Zielwert (public health goal, auch MCLG = maximum concentration level goal - ein höchstens zu erreichendes, daher maximales Konzentrationsnivau für PCB = Null PCB im Trinkwasser gem. EPA - mithin überhaupt kein PCB.).

Zum Verständnis der Grenzwerte zu PCB kann die unten verlinkte EPA-Liste hilfreich sein, denn sie unterstützt mit der Angabe des "zero"-Wertes (als öffentliches Gesundheitsziel, in mg/Liter) unverwechselbar deutlich das Konzept der schwellenlosen Schädlichkeit der PCBs.

Wie gemeint werden darf, kann ein gesundheitlich nicht wünschenswerter, also ein adverser Effekt in Folge von einer kleinen Menge an PCB sehr wohl konkret eintreten, wenn z.B. das Immunssystem im menschlichen Körper in einer extrem beanspruchenden, in einer aus übrigen Gründen angespannten Situation einen Krankheitsausbruch abwehren soll, insbesondere wenn gerade mal ein einziges oder nur wenige Antikörper fehlen (weil z.B. Funktionsminderungen vorliegen), um eine Attacke von Krankheitserregern erfolgreich abzuwehren.

Mit PCB und anderen Schadstoffen kommt gleichsam ein Tropfen zum anderen Tropfen und ein einziger Tropfen reicht dann später aus, dass schlussendlich der "Eimer überläuft" – was dann genau Krankheitseintritt bedeutet. 

Eine somit sich logisch ergebende Folge von PCB-Belastungen ist, dass sich mit der Schwächung des Immunsystems die minimale Infektionsdosis sich ungünstigerweise beim PCB-Betroffenen erniedrigen kann (min. Infektionsdosis = Mindestanzahl der Krankheitserreger, die eine Erkrankung auslösen - bei Pest 1 Erreger, bei Tuberkulose 2, bei Noroviren ca. 10 bis 100 und bei vielen anderen Infektionskrankheiten oft auch sehr viel mehr, Tausende oder noch sehr viel mehr; unterschiedl. Zahlenangaben in der Fachliteratur). Mit seiner Schwächung hat es dann das menschliche Immunssystem prinzipiell schwerer, eine Infektion mit Erfolg abzuwehren. Die Erschwerung der Infektionsabwehr infolge der PCB-Auswirkungen muss ohne Zweifel für einige Erst- und Sekundärinfektionen gelten.

Knapp bemessen kann eine Krankheitsabwehr dann sein, wenn z.B. andere, zusätzliche stoffliche Belastungen auf die Körperzellen störend einwirken und den Körper an den Rand seiner Abwehrkräfte bringen - dann kann eine zusätzliche, sehr kleine PCB-Belastung den Ausschlag dazu hergeben - wie ein Zünglein an der Waage - , den unerwünschten Umschwung auszulösen, nämlich eine Erkrankung.


In diesem gedanklichen Konzept (wie wollte man das Gegenteil nachweisen?)
muss ein einzelnes PCB-Molekül bereits ein (extrem) kleines, aber endliches Risiko im menschlichen Körper darstellen, beginnend auf Zellebene - damit ist die PCB -"Schwellenlosigkeit" zumindestens plausibilisiert, und wie ich aus Laiensicht meine - sie kann nicht widerlegt werden! - Warum verlangt als Zielvorstellung (public health goal) die US-EPA eine Nullkonzentration (MCLG) von PCB im Trinkwasser ? Der MCL-Wert (ohne "G") der US-EPA - als eine technisch praktikable und einforderbare Handhabung für eine PCB-Belastungssituation - sieht hier unter Abwägung von Kosten- und Nutzengründen einen pragmatischen Wert in Höhe von 0,0005 mg / Liter im Trinkwasser vor.

Ich möchte vermuten dürfen, im Falle von Neurotoxizität, bei der Krebspromotion, bei der Reproduktionsschädlichkeit und bei den hormonellen Auswirkungen kann eine zusätzliche PCB-Belastung gleichfalls wie das vielbeschworene "Zünglein an der Waage" wirken, wenn bereits andersartige, adverse Stoffbelastungen das biologische System des menschlichen Körpers bis knapp zur Grenze eines Krankheitsausbruches oder Grenze eines gesundheitlichen Schadens hin beeinträchtigen.

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Zwei konkrete Anwendungen konkreter numerischer Bestimmungen von PCB-Krebsrisiken -

  Link: www.doh.wa.gov/Portals/1/Documents/Pubs/334-274.pdf (S. 15)

Das oben verlinkte Dokument berichtet im Jahre 2011 die numerische Bestimmung von Krebsrisiken (hier: schwellenlose PCB-Schädlichkeit, Annahme der US-Behörde EPA) für PCB-belastete Menschengruppen, wobei von einem zweieinhalb Jahrzehnte währenden Aufenthalt in einem PCB emittierenden Hochhaus der US-Stadt Seattle ausgegangen wurde. - Dies stellt somit einen praktischen Anwendungsfall für die ggf. weiterentwickelte EPA-Risikobestimmungsmethode für PCB-bedingte Krebserkrankungen aus 1996 dar.

Ferner existieren detaillierte Risikobestimmungen für Krebserkrankungen infolge hauptsächlicher ("primarily") PCB-Einwirkungen auf unterschiedliche Gruppen von belasteten Menschen in der US-Kleinstadt Anniston, wo über Jahrzehnte hinweg u.a. PCB produziert wurde.

Zugrunde liegt für die Bestimmung der PCB-Krebserkrankungsrisiken ein Rechenmodell der EPA, welches somit im US-Staat Washington wie auch in Anniston detailliert ausgeführt und angewendet wurde, erst um den Zeitpunkt des Envio-Skandales in Dortmund, also vor ca. vier Jahren bzw. auch vor etwa einem Jahrzehnt.

Ergebnis für die PCB-belasteten Hochhausnutzer in Seattle:
Kein bedeutsames ("insignificant") Krebsrisiko als Lebenszeitrisiko in der Höhe von ca. 7 in 10 Millionen, da der rechnerische max. Risikowert etwas kleiner als 1 in einer Million bei den betroffenen Hochhausnutzern ist. Ein derart zahlenmäßig kleines, zusätzliches Krebsrisiko geht auf Grund des kleines Zahlenwertes in den übrigen, eh bereits vorhandenen Krebsrisiken unter. (Was hier gerade noch als zusätzlicher Risikowert im Sinne einer Obergrenze duldbar ist oder hingenommen werden soll, ist letzten Endes als eine politische Entscheidung zu verstehen - z.B. ein zusätzliches Risiko in Höhe 1 in 10000, welches - als ein von außen auferlegtes - Risiko dem einen oder anderen Menschen schon als unzumutbar viel erscheinen kann.)

Die rechnerische Krebsrisikobestimmungen (hauptsächlich - „primarily" - infolge von PCB-Einwirkung im Boden, sh. EPA-Dokument anpcbstalfax08.pdf, S. 6 bis 8, Human Health Risk Assessment Fact Sheet, Jan. 2008) für gegenwärtige und zukünftig Beschäftigte in Anniston zeigte jedoch mehrfach höhere Risikowerte als in Seattle (2011) auf, z.B. den zusätzlichen Krebsrisikowert 1 in 5000 für eine spezielle Arbeitergruppe.

Die zugrundeliegenden, in Anniston häufig quantifizierten PCB-Belastungen und andere Belastungen hatten zu den Entschädigungen beigetragen (insgesamt ca. 700 Mill. US-Dollar nach 2001 im Rahmen eines gerichtlich unterstützten Vergleiches). - Man kann für den Dortmunder Fall durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Envio-Arbeiter schadstoffmäßig in der Größenordnung wie einige der Anniston-Betroffenen belastet wurden, sicherlich teilweise mehr und teilweise aber auch weniger als in den Anniston-Fällen.

Im Sinne der Wahrheitsfindung für die betroffenen Menschen sollte man dazu festhalten:

a) Die US-Behörde EPA geht von einer Schwellenlosigkeit für ein PCB-Krebsrisiko aus - so in 2011, also zeitlich noch sehr nahe dem Envio-Fall in Dortmund.

Zur Schwellenlosigkeit vermerken die Autoren des behördlichen Dokumentes:
"EPA still assumes no threshold exists for cancer risk unless sufficient data indicate otherwise." - sh. S. 9, Link:
http://www.doh.wa.gov/Portals/1/Documents/Pubs/334-274.pdf

Die Formulierung "still" (= noch) darf hier, wie ich meine, durchaus kritisch gesehen werden, denn die Autoren unterstellen hier, dass tatsächlich auch keine Schwelle (treshold) existieren kann - oder in anderen Worten, sie bedenken nicht, dass im menschlichen Körper grenzwertige Rand- / Kippsituationen, welche grundsätzlich und auch tatsächlich das Erkrankungsrisiko erhöhen, eintreten können. Eine Limitüberschreitung einer gesundheitlichen Belastung, aufgebaut durch übrige Störfaktoren, kann nämlich auch gerade dann eintreten, wenn die PCB-Auswirkungen dem biologischen System (Immunsystem) die eben noch fehlende Menge an Abwehrleistung kappen.

b) Eine gleichwertige Risikoabschätzung dieser Art wie in den USA wäre schon bedeutsam für die hochbelasteten Envio-Arbeiter, weil vermutlich ein zahlenmäßig kleines Risiko - und daher vielleicht doch ein etwas beruhigender Risikowert (gegenüber den teils vorhandenen, noch schlimmeren Erwartungen der  Envio-Betroffenen) - , also ein rechnerisch ermitteltes Krebserkrankungsrisiko erstmalig ansatzweise abschätzbar wird, welches, auch wenn es ziffernmäßig klein ist, zu einer Entschädigung verpflichten wird müssen. - Risikowerte im Envio-Fall wurden bislang m.W. nicht in der Presse berichtet.

Mit dem Ziel einer Entschädigung sind derartige Zahlenwerte (wie in den USA von der EPA-Behörde) im Rahmen eines Analyse-Modelles konkret in Form von Intervallangaben (evlt. Konfidenzintervallen) ermittelbar und zwar auf Basis seriöser, behördlich geprüfter methodischer Vorgehensweisen - dies sollte schon geprüft werden. 

Reale Risiken - wie in vielen Fällen der PCB-Historie bereits beobachtet - kommen dabei wenigstens im Ansatz den erwartbaren Schädigungen nahe oder vielleicht in der weiteren Zukunft sogar gleich; jedenfalls schmälern sie tatsächlich die Zukunftsperspektive der Betroffenen - undenkbar wäre daher eine von der Justiz abgelehnte Entschädigungspflicht.

Eine Geldstrafe, zu zahlen in einen einzurichtenden Opferfond, aus dem ein Gremium (z.B. eine Expertengruppe der RWTH-Aachen) Entschädigungsleistungen bemessen und zuweisen wird können, wäre m.M.n. im Sinne eines Mindestmaßes an Gerechtigkeit.
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Nochmals zur Schwellenlosigkeit des PCB-Schädigungspotenzials:

Auch möchte ich hier, bitte, noch einmal zurückkommen auf die Beurteilung von PCB-Gehalt (im Trinkwasser) der US-Behörde EPA, welches gekennzeichnet ist mit dem Wert "zero" - überschrieben im Spaltenkopf mit "public health goal". Die folgende Betrachtung verdeutlicht ebenfalls die Schwellenlosigkeit ungünstiger Wirkungen von PCB auf den menschlichen Körper, wie ich weiter unten ausführe und begründe.

EPA publizierte eine weitere, fast identische Tabelle, wo der Wert "zero" für PCB im Spaltenkopf mit "MCLG" (statt "public health goal") übertitelt ist. Die US-Behörden erläutern bzw. definieren MCLG - auch für PCB - gleich dreimal wie folgt. Zitate aus den behördlichen Dokumenten:

a) MCLG - "Maximum Contaminant Level Goal (MCLG) -
The level of a contaminant in drinking water below
which there is no known or expected risk to health.
MCLGs allow for a margin of safety and are
non-enforceable public health goals." (S. bitte Behördendokument,
"National Primary Drinking Water Regulations" - Link:

http://water.epa.gov/drink/contaminants/upload/mcl-2.pdf )
Anmerkung: Der MCL-Wert beträgt hier für PCB 0,0005 mg/Liter und
fußt u.a. auch auf Kosten- und Nutzenerwägungen. Der MCLG-Wert ist daher
ein wirklich sicherer Wert für die Trinkwasserverbraucher als der MCL-Wert ihn darstellen kann.

Anmerkung: Man mag einmal den MCL-Wert (also ohne "G", goal) der US-EPA für Trinkwasser von 0,0005 mg / Liter Trinkwasser mit dem deutschen vorsorglichen Grenzwert von 300 ng PCB / cbm in der Innenraumluft (Atemluft) vergleichen.

b) MCLG - "Maximum Contaminant Level Goal
The level of a contaminant at which there would be
no risk to human health
(not a legally enforceable
standard)" - siehe bitte:
http://water.epa.gov/drink/guide/upload/book_waterontap_full.pdf
Appendix D, p. 31.

c) " "Maximum contaminant level goal" or "MCLG" means the maximum
level of a contaminant in drinking water
at which no known or anticipated adverse effect on the health
of persons would occur
; and which allows an adequate margin of safety.
Maximum contaminant level goals are non-enforceable health goals;..."
s.S.4 in dem Dokum. - Link:
http://www.dir.ct.gov/dph/PHC/docs/33_Public_Drinking_Water_Qu.doc
- vom (US-)"Department of Public Health".

( Anderes EPA-Beispiel - zum besseren Verständnis:
MCLG for lead [Blei] is zero (0) and for copper [Kupfer] is 1.3 mg/L. )
Blei ist somit schwellenlos als schädlich (advers / unerwünscht) anzusehen; geringe Mengen an Kupfer benötigt der menschliche Körper als Spurenelement, während größere Mengen an Kupfer auf die Gesundheit schädlich wirken.)

Ist der im Trinkwasser vorgefundene PCB-Wert größer als der MCLG-Wert "zero",
- d.h. also bei exakter Auslegung von MCLG - wurde dann z.B. mindestens ein PCB-Molekül in der Trinkwasserprobe registriert - kann ein "adverser Effekt", beginnend auf Zellebene, nicht ausgeschlossen werden. Folglich muss die Schwellenlosigkeit für adverse Effekte, wie ich meine, aus der EPA-Definition elementarlogisch geschlussfolgert werden können, gleich welche Definition man nimmt unter a), b) oder c).

Insbesondere muss Folgendes auf der Basis elementarlogischer Herleitung bei PCB-Kontiminationen größer als Null gelten (mithin gemäß obiger EPA-Definitionen und gemäß dem EPA-Zielwert von "zero" für PCB unter a) bis c) ) - hier also im Detail:

a) There is a known or an expected risk to health.

b) There is a risk to human health.

c) A known or an anticipated adverse effect on the health of persons would occur.

Der von der US-Behörde dazu exakt angebene Wert von "zero" (= Null) macht somit gemäß den EPA-Angaben ein Schädigungspotenzial von PCB zwangsweise schwellenlos.


Ein biologisch adverser Effekt auf Zellebene muss / wird zwar noch keinen gesundheitlich fühlbaren adversen Effekt darstellen (dieser wäre extrem selten, etwa bei Krebsinitiierung oder Krebspromotion) - sollte aber in einer seltenen Grenzsituation (z.B. infolge eines beginnenden Infektes, wenn der Körper aus anderen Gründen schon nahezu voll mit der Krankheitsabwehr ausgelastet ist) im menschlichen Körper genau ein einziges bestimmtes gesundheitsstabilisierendes Eiweißmolekül PCB-bedingt beeinträchtigt sein bzw. nicht, wie sonst von der Natur vorgesehen, ausreichend gut funktionieren und dieser Fall auch eintreten, so erhöht sich somit grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.

Auch wenn zur Erläuterung an anderen Stellen in der Fachliteratur beschrieben wird bzw. der Eindruck erweckt wird, dass keine schlüssigen Erkenntnisse zur schwellenlosen Schädlichkeit von PCB vorliegen und falls damit - evtl. von interessierter Seite (Haftpflichtversicherungen ?) - impliziert werden sollte, dass die Bestimmung von MCLG = zero für PCB lediglich eine vorsorgliche Festsetzung seitens der EPA darstellen kann - , so werden die bislang gewonnenen biologischen, biochemischen und biophysikalischen Erkenntnisse über die Auswirkung von PCB im menschlichen Körper ohne jeden vernünftigen Zweifel zur Feststellung von gesundheitlich adversen, schwellenlosen Wirkungen ausreichen (meine Meinung):

Zum Beispiel dadurch, dass ein einzelnes PCB-Molekül, wenn es ein Funktionseiweiß (AhR-Rezeptor) besetzt, dieses Funktionseiweiß daran geringfügig hindern kann, in allen Fällen seine übrigen biologischen Aufgaben in einer günstigen Weise, also uneingeschränkt, zu erfüllen. Anmerkung: Eine spezielle Anhaftfähigkeit von PCB an einen speziellen Rezeptor (Funktionseiweiß) unterliegt starken Unterschieden, z.B. 1:50000, wenn PCB 126 mit PCB 127 verglichen wird.

D.h., dass  ein PCB-Molekül wird auf Zellebene bereits einen biologisch adversen Effekt mit sich bringen können (beobachtbar und fühlbar erst, wenn die PCB-Mengen dazu ausreichen oder auch in den grenzwertigen, seltenen Randsituationen, wo ausgerechnet nur ein oder nur sehr wenige voll funktionstüchtige, biologische Apparatismen im Körper PCB-bedingt fehlen - man denke an mögliche Kippsituationen und übersehe nicht den Effekt des "Züngleins an der Waage".

Meine seit 2012 gewonnenen Rechercheresultate und meine Sicht der Situation und Meinungen zu den Vorgängen habe ich bereits niederlegen dürfen unter: http://www.lokalkompass.de/dortmund-city/politik/krankmachung-durch-pcb-keine-frage-d222243.html (Zuletzt aufgerufen am 15.01.2015 - dort mag der interessierte Leser meine Sichten und Findungen aufsuchen. Dankeschön an die Redaktion des Lokalkompasses! Zwecks weiterer kritischer Fortschreibungen meiner Rechercheergebnisse bin ich für Rückmeldungen an rudolfuebbingdo@aol.com sehr dankbar.)

 

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TEIL 1 (zuerst eingestellt am 9.11.2014):

Im Juni 2014 war bei einer der drei Anhörungen des wichtigsten
Gutachters immerhin für Momente der merkwürdige Eindruck
positiver gesundheitlicher Wirkung von PCB beim Vorsitzenden Richter
des Dortmunder Landgerichtes entstanden
- eine entsprechende richterliche Rückfrage bezeugt dies;
der Gutachter stellte dann den von ihm selbst erzeugten Eindruck richtig.
So soll hier darauf hingewiesen werden können, dass mittlerweile die Nebenklägerseite
einen Befangenheitsantrag gegen den besagten Gutachter eingereicht hat.

In der Gefahrstoffforschung wurde mit Hilfe von Säugetieren,
deren Organe mithin oft ähnlich dem des Menschen funktionieren, in zahllosen
Experimenten die Schädlichkeit auf den tierischen Körper
nachgewiesen. Z.B. wurden Letaldosen für eine 50-prozentige Tödlichkeit
ermittelt und somit auch eine sogenannte akute Toxizität im Tierversuch bestimmt
- auf 100 kg Tiergewicht umgerechnet oft deutlich weniger als 1 kg bis hin
zu ca. 100 g Gefahrstoffmenge.

(Die Stoffmenge bestimmt die Auswirkungen ihrer Giftigkeit.
Bekannt ist, dass einige schwellenlose Wirkungen existieren,
wenn nämlich bereits die kleinste denkbare Gefahrstoffmenge
das biologische Gesundheitssystem beeinträchtigt, auch wenn im Anschluss
danach eine gesundheitliche Symptomatik erst bei höheren Gefahrstoffmengen
einsetzt und diese erst später bei ausreichender Intensität überhaupt beobachtbar wird.)

Bei erfolgten Verseuchungen von Menschen mit PCB-Gemischen
(Yusho 1968, Yu Sheng 1979) wurden in der Vergangenheit ebenfalls
schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen beobachtet;
diese  Gemische enthalten in der Regel auch bestimmte
Furane oder dioxinähnliche Stoffe, so dass sich für den
Dortmunder Fall herausstellt, dass vom Grundsatz her kein wesentlicher
Unterschied zu einigen vorhergehenden Schadensfällen mit PCB gegeben ist
- auch in Dortmund gab es zusätzlich belastende Stoffmischungen,
und im Dortmunder Fall bei einigen Arbeitern zudem noch eine Belastung
mit Per, Perchlorethylen, einem Lösung- und Reinigungsmittel, gleichfalls eine Chlorverbindung.

Im Oktober 2009 wurde von einer Arbeitsgruppe der IARC, einer internationalen
Forschungseinrichtung, zuzuordnen der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
das PCB 126 als krebserregend für den Menschen - im Rahmen einer Vorarbeit -
eingestuft (Quelle sh. w.u.) und wurde danach im
Rahmen der Liste der humankarzinogenen Gefahrstoffe geführt. Bald danach
wurden weitere bestimmte PCB der WHO-Liste humankarzinogener Stoffe hinzugefügt.

Mit der Veröffentlichung vom Dezember 2010 (Lancet) hätte demnach
die neue Einstufung von PCB 126 als humankarzinogener Stoff in den
PCB-entsorgenden Betrieben Aufmerksamkeit und Berücksichtigung verdient.

(www.thelancet.com/oncology Vol 10 December 2010, p. 1143 ff)

In vielen Jahrzehnten waren bezüglich der Krebspromotion von PCB zahlreiche Studien vorausgegangen,
die den anfänglich Verdacht bis hin zu den jüngeren Krebseinstufungen seitens der WHO
bestätigt und erhärtet haben. 
Ein vernünftiger Zweifel kann daher an der Krebspromotion via PCB nicht bestehen.

 

EXPOSITION-RISIKO-BEZIEHUNG von 1996

Dieser vernünftige Zweifel bestand bereits bei der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) offenbar
schon seit 1996 nicht mehr, wo bereits damals von der EPA für quantifizierte Mengen bestimmter
eingenommener PCB-Gemische (Aroclor 1016) Risikoschätzwerte für menschliche Krebserkrankung
ganz konkret beziffert wurden - dazu wurden mathematisch Exposition-Risiko-Beziehungen auf
Basis vorhandener Messergebnisse bestimmt und mehrere Beispiele detailliert vorgerechnet.
Quelle: EPA/600/P–96/001F, September 1996, p 58 ff

Auch wenn speziell kein Aroclor-Gemisch in Dortmund vorliegen wird,
sondern auf Grund der vielfältigen Transformatorenlieferungen mit PCB-Ölbindern
unterschiedlichste PCB-Mischungen inhaliert wurden, könnte im Dortmunder Fall
der EPA-Algorithmus durchaus - nach entsprechender Anpassung - angewandt werden,
um zunächst im EPA-Modell eine grobe Größenordnung des Krebsrisiko in den verschiedenen
Einzelfällen abzuschätzen. - Zu hoffen ist, dass zahlenmäßig nur "kleine" Risikowerte
sich hierbei ergeben -
jedoch sind auch zahlenmäßig kleine Risiken für eine Entschädigung
der bedauertenswerten PCB-Belasteten zu prüfen
, wie ich meinen muss.

Bei der Dortmunder Anwohnerschaft wird man davon ausgehen dürfen,
dass um Bruchteile der PCB-Gehalt im menschlichen Gewebe erhöht wurde,
welche auch unterhalb der praktizierten, messtechnisch gegebenen Nachweisgrenze liegen können;
die seinerzeitigen Messungen hatten - mit Ausnahme weniger Personen (evtl. nur eine Person) -
keine auffällige PCB-Belastung ergeben. Dies unterscheidet die östliche Dortmunder Hafenanwohnerschaft
von den Bürgern des amerikanischen Ortes Anniston, wo Dekaden währende PCB-Fabrikationen
zu einem Vielfachen der Belastung mit PCB - gemessen an der übrigen Bevölkerung - geführt hatten.
(Fehlt mir zu der Dortmunder Anwohnerschaft wichtige Information?)

Anmerkung: Die Anniston-Bewohner wurden vor über einem
Jahrzehnt von dem PCB-Fabrikanten finanziell entschädigt. - Dennoch
ist eine sorgfältige Diskussion nicht zuletzt im Rahmen der europaweit
verbindlichen Vorsorge weiter zu betreiben, wie z.B. die aktuellen Ergebnisse
der Grünkohlverprobungen in den Kleingärten immer noch deutlich machen.

Im Unterschied zu den Anwohnern haben etliche Angehörigen einiger Envio-Mitarbeiter
unzweifelhaft sehr stark erhöhte PCB-Gehalte im Blutplasma - so eine Frau,
die den 800-fachen Wert aufwies, wobei bei dem angehörigen, betroffenen Envio-Arbeiter
mehr als das 10000-Fache an PCB-Belastung gemessen wurde. Die Arbeitskleidung
hatte in der Wohnung zur Verseuchung mit PCB geführt.

 

GESUNDHEITLICHE AUSWIRKUNGEN IM UMFELD VON PCB-BELASTUNGEN

Wessen Körper in industriellen Produktionsprozessen mit PCB belastet wurde,
wird oft auch mit den PCB-begleitenden Stoffen belastet sein, z.B. Furanen. Das
Zusammenwirken verschiedener Stoffe erschwert hier die medizinische Beurteilung
der Ursachen von Krankheiten; dennoch die Existenz von deutlich sprechenden
Beobachtungen wurde vielfach dokumentiert und kann nachgelesen werden.

Hier sollen Ergebnisse aus publizierten Berichten zu Gesundheitsschädigungen,
welche in Verbindung mit PCB-Belastungen (Gemische) beobachtet wurden, genannt werden -
mithin grundsätzliche Risikoerhöhungen im Falle einiger von PCB-assozierten Krebserkrankungen.
Negative gesundheitliche Auswirkungen im Bereich des Immunsystemes, des Nervensystemes,
des Fortpflanzungssystemes und mehr mussten zudem schon seit langem registriert werden. Hier
seien zunächst einige Mitteilungen bzgl. der Krebsmortalität - ohne die Angabe der
belastenden Stoffmengen an PCB-Gemischen - genannt, wie sie sich in einer Fabrik,
welche PCB verarbeitete, ergeben hatten (Kondensatorenfabrik in Indiana, USA*)).

 

KREBSMORTALITÄT:

Dazu finden sich konkrete Angaben zu erhöhten Sterblichkeitsraten - im Falle
von speziellen Krebsbildungen bei Menschen mit fabrikationsbedingten PCB-Belastungen*).

Für jede dieser Häufigkeitsfeststellungen (sh. u.) lässt sich eine grundsätzlich systematische
Erhöhung des Krankheitsvorkommens mit 95 Proz. oder mehr Wahrscheinlichkeit unter
bestimmten Modellannahmen plausibilisieren.  Dabei wurde auf die Krebssterblichkeit
der Allgemeinbevölkerung Bezug genommen und standardisierende Bewertungsverfahren
zugrunde gelegt. (Standardisierte Mortalitäts-Rate =: SMR, als Quotient der Zahlen
von beobachteten (Zähler) und erwarteten (Nenner) Todesfällen. -

Z.B. SMR=5,99 bedeutet die nahezu 6-fache Mortalitätshäufung gg. unbelasteten Situationen,
wobei der Zusatz "95% CI, 1.2–17.5" hier angibt, dass der SMR-Wert von 5,99 mit 95 Proz.
Wahrscheinlichkeit tatsächlich zwischen 1,2 und 17,5 liegt. - Hinzuzufügen ist nochmals, dass PCB oft
nicht allein vorkommen, sondern noch zusätzlich weitere gefährliche Stoffe (z.B. Furane)
mit sich bringen können, was bei überhitzten, gealterten bzw. defekten Transformatoren
oder aus industriellen Fertigungsgründen gut möglich ist. -

Ein Faktor von z.B. 5,99 kann als hoch erscheinen - das übliche Vorkommen
der zugehörigen Krankheitsform ist jedoch klein, so dass selbst eine Erhöhung
um den besagten Faktor keine sofort bedenklich stimmende positive Prognose
im Einzelfall  zulässt - falsch ist daher, zu sagen,
der Betroffene werde dann daran erkranken
(sondern eher nicht erkranken, denn der absolute Risikozahlenwert ist klein
- weit, weit weniger als 50 Prozent). 

Die damalige Beobachtung von erhöhtem Krankheitsvorkommen
in der Fabrikarbeiterschaft kann zudem nicht eins zu eins auf
die gegenwärtige Situation übertragen werden; sie ist jedoch durchaus
als ein erster Anhaltspunkt verstehbar, wie gemeint werden darf.

Hier gebe ich einige gesammelte SMR-Angaben zu Haut-/Hirn-/Leberkrebs etc.
i.V.m. PCB-Belastungen und damit verbundenen Stoffen wieder (alle textlichen Hervorhebungen in Zitaten von mir) -
dabei handelt es sich i.d.R. um Fälle, in denen die Schadstoffbelastungen über einige Jahre erfolgte,
jedoch auch Fälle mit nur etwa dreimonatiger Belastung. - Die Anzahl der einbezogenen Personen
betrug 3569 (Kondensatorenfabrik, Indiana, USA *)).

1.) Hautkrebs:
... Melanoma remained in excess (9 deaths; SMR, 2.43; 95% CI, 1.1–4.6),

2.) 
...especially in the lowest tertile of estimated cumulative exposure
(5 deaths; SMR, 3.72; 95% CI, 1.2–8.7) ...

3.) Hirnkrebs: 
... Seven of the 12 brain cancer deaths (SMR, 1.91; 95% CI, 1.0–3.3)
occurred after the original study. ...

4.)
... Brain cancer mortality increased with exposure
(in the highest tertile, 5 deaths; SMR, 2.71; 95% CI, 0.9–6.3);
the SRR dose–response trend was significant (p = 0.016). ...

5.) Hautkrebs:
...Among those working =90 days, both melanoma (8 deaths; SMR, 2.66; 95% CI, 1.1–5.2)
and brain cancer (11 deaths; SMR, 2.12; 95% CI, 1.1–3.8) were elevated, ...

 6.)
... especially for women: melanoma, 3 deaths (SMR, 5.99; 95% CI, 1.2–17.5); ...

7.) Leberkrebs u.m.:
... death from cancer of the liver, gall bladder, and biliary tract
(5 observed, 1.9 expected,SMR=2,63, p<0.05). ...

8.) Hautkrebs:
 
... a statistically significant excess risk of death from skin cancer
(8 observed, 2.0 expected, SMR=4,1; CI=1,8–8,0); …

Quelle: Volume 114 | NUMBER 1 | January 2006 Environmental Health Perspectives, p 18

Hier muss erwähnt werden, dass auch Untersuchungen vorliegen,
die keine Steigerung des SMR-Wertes aufzeigten - jedoch die Aufnahme
einiger PCB in die Liste der humankarzinogenen Stoffe der WHO bestätigt
im Grundsatz die obige Auswahl an SMR-Werten. - Die Untersuchungssituation wird
regelmäßig erschwert durch weitere Einfluß nehmende Umstände bzw. Variablen -
wie spezielle Ernäherungsbedingungen, genetische Grunddisposition,
weitere umweltstoffliche Belastungen, Lebensstilfragen (z.B. Sport) und mehr.

Genauer zu diskutieren wären die Resultate aus dem Betreuungsprogramm, welche
teilweise bereits in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden und welche die Arbeitsgruppen von
HELPcB (RWTH Aachen) als statistische Auffälligkeiten im Bereich der gesundheitlichen
Auswirkungen bei den Envio-Arbeitern festgestellt haben. (Hinweise z.B. auf
- ungünstige Veränderung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Veränderung im Nervensystem
- des Verhaltens der Schilddrüse
- Veränderung der Haut und mehr.)

Ein vernünftiger Zweifel daran, dass die Arbeit bei der Firma Envio
eine Gruppe von Menschen konkret geschädigt hat, kann auf
Basis der festgestellten Beobachtungen nicht existieren. - Völlig
verfehlt ist es in diesem Zusammenhang, von "abstrakter Gefahr" zu sprechen.

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TEIL 2:

F o r t s e t z u n g   des  Beitrages am  2. Dez. 2014 (letzte Fortschreibung am 4.12.):

 

Aussagen im Envio-Prozess und die beobachtete Realität
- meine Sicht: 

Zu den mit PCB-Gemischen verbundenen gesundheitlichen Effekten und zu den
dazugehörigen Ursachen, deren nicht hinreichende Nachweismöglichkeiten vor dem
Dortmunder Landgericht im Envio-Prozess von einigen Gutachtern oft betont
werden, zu diesen Sachverhalten habe ich weiter recherchiert und auch dazu, dass
im Envio-Prozess fragenswürdige, oft leider nicht konkret gewichtete Zweifel gesetzt
wurden. Im Folgenden beziehe ich mich unter a) bis c) auf Meldungen zu einigen
Äusserungen des Hauptgutachters, Herrn Prof. Dr. Albert Rettenmeier.

http://www.financial.de/news/wirtschaftsnachrichten/ehemaliger-envio-geschaftsfuhrer-weist-vorwurfe-zuruck/

 Gemäß der verlinkten Meldung v. 4. Juli 2012 von dapd 
hatte Herr Dr. Rettenmeier vor dem Dortmunder Landgericht 2012 geäußert:

a) " "Es gibt keine Dosis-Wirkung-Beziehung",
sagte anschließend der Leiter des Instituts für Hygiene und
Arbeitsmedizin der Universität Duisburg-Essen, Albert Rettenmeier. "

b) "Er betonte ..., dass das Risiko für eine
Krankheit bei denjenigen höher sei, die stärker belastet seien. "

c) "Es sei aber nicht möglich zu sagen, wie hoch die
Belastung sein müsse, um eine Krankheit auszulösen."
(
Auszüge aus der hier verlinkten dapd-Meldung, alle Texthervorhebungen
von mir, auch unten.)

http://www.welt.de/newsticker/news3/article107809211/Ehemaliger-Envio-Geschaeftsfuehrer-weist-Vorwuerfe-zurueck.html

.........................................

 Dazu möchte ich hier wie folgt kommentieren und belegen -

 zu a)
der Verneinung der Existenz von Dosis-Wirkung-Beziehungen:
(Leider kann ich mich nur auf o.g. dapd-Mitteilung beziehen, Herr Dr.
A. R. mag in 2012 an anderer Stelle auch mehr gesagt haben.)

 In der Literatur gibt es mehrere Belegstellen zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen:

1. Dokument der US-Umweltbehörde EPA:
In einer von einer amerikanischen Umweltbehörde gestützten
Fachstudie (EPA-Dokument: EPA/600/P-96/001F, S. 59 ff)
werden diesbezüglich drei Beispiele an Risikobemessungen für Krebs
(hier als Risikowahrscheinlichkeit für den Eintritt der Krebskrankheit)
- in Abhängigkeit von den aufgenommenen PCB-Mengen -
genau durchgerechnet und als Risikoschätzwerte beziffert;
dabei werden Aroclor-Mischungen zugrundegelegt.

2. Dokument des Landesumweltamtes NRW:
In dem vom Land Nordrhein-Westfallen veröffentlichen Infomaterial
(NRW LANUV Materialien Band 62, S. 192) findet sich
zu dem Thema von toxikologischen Bewertungen von PCB,
was z.B. das menschliche Krebsrisiko betrifft,
ein deutlicher Hinweis auf eine "Dosis-Wirkungsbeziehung".
Zitat: ".., im Gegensatz zu den Befunden bei Norback und Weltman (1985)
sind aus der neueren Studie Dosis-Wirkungsbeziehungen ersichtlich."
Anmerkung: Bezug auf die Datenbasis in EPA (2000a).

(Eine grundsätzlich völlig konträre Äusserung eines Gutachters -
vor dem Landgericht war jedoch öffentlich berichtet worden, s.b.o.)


3. Beziehung zwischen Krebsrisiko und Arbeitsdauer:

 "Excess risks for melanoma were reported in
several studies, mainly cohort studies
of workers in the manufacture of
capacitors and transformers, and
in electric power and equipment
maintenance. A significant linear
exposure–response trend was noted in the largest study."
-
Hier die Benennung der größten Studie - 'Largest' study:
Loomis D, Browning SR, Schenck AP, et al.
"Cancer mortality among electric utility workers
exposed to polychlorinated biphenyls.",
Occup Environ Med 1997; 54: 720–28.

Anmerkung: Je länger die Arbeit währte, je höher
wurde das Erkrankungsrisiko - eine lineare Beziehung wurde
hier konkret quantifiziert.


4. Beziehung zwischen Entwicklungsdefiziten bei Kindern und PCB-Belastungen:

 " Die HBM-Kommission des UBA führt... aus:
"... sind für die kritische Gruppe von Kleinkindern
(bis 42 Monate) stimmige Dosis-Wirkungs-Beziehungen
für mentale Entwicklungsstörungen
beschrieben worden,
die sich auf PCB im Schwangerenplasma bzw. auf PCB
im kindlichen Plasma ... beziehen (Walkowiak et al, 2001).""
sh. dazu S. 7 in
POLYCHLORIERTEN BIPHENYLEN (PCB) IN INNENRÄUMEN -
STUDIE ZU VORKOMMEN UND GESUNDHEITLICHER BEDEUTUNG
Verfasser: Herbert Obenland, ARGUK-Umweltlabor GmbH, Oberursel.
Sonja Pfeil, Institut für Angewandte Umweltforschung e.V., Oberursel,
November 2004

Frage: Welcher der Gutachter hat vor dem Dortmunder LG diese "stimmigen"
Dosis-Wirkungs-Beziehungen mit den betroffenen Kinder in den Familien
der Envio-Arbeiter versucht in Verbindung zu bringen, wenn überhaupt ?


5. PCB-Gehalt im Blut und Nervenleitgeschwindigkeit:

 sh. dazu "A clinical and electrophysiological study of
patients with polychlorinated bipenyl poisoning, LIE-GAN
CHIA, FU-LI CHU, Taiwan 1984 - im
J Neurol Neurosurg Psychiatry. Sep 1985; 48(9): 894–901,
sh. S. 896, Table 3: 
Untersucht wurden die Nervenimpulse an Beinen und Armen
der Betroffenen im Abstand von zwei Jahren, zunächst im Jahre 1980 an
35 Opfer des Yu-Cheng-Unfalles (1978) und von diesen dann wieder
in 1982 bei 28 Personen, zusammen mit einer unbelasteten Kontrollgruppe
von 44 Personen.
Die Nervenleitgeschwindigkeit unterschied sich von der Vergleichsgruppe
maximal im arithmetischen Mittel um ca. 14 Prozent (Verringerung),
die Amplitude des Nervenimpulses
sogar um maximal 37 Proz. (1980);
bei der Zweituntersuchung in 1982 betrugen die maximalen Minderungen hier
9 Proz. bzw. 26 Prozent (eigene Nachrechnung, R.U.).
1980 betrug bei den Untersuchten die durchschnittliche PCB-Belastung 35,9 ppb
im Blut, 1982 dann 19,2 ppb - bei einem Normalwert von unter 4 ppb.

Wenn der Umweltmediziner Dr. Kurt Müller die Auswirkungen der PCB-Gemische
mit nachteiligen psychischen Auswirkungen verknüpfte, scheint daher dies infolge
der beschriebenen Minderung der Nervenleistung dem Laien nur allzu verständlich,
mithin aus rein physischen Gründen (PCB als Isolierungsmittel) bedingt zu sein
- eben auch  o h n e  das Zitieren von Placebo- oder Nocebo-Effekten -
erklärbar zu sein. - Bei einigen Kindern wurden auch Reaktionszeitverlängerungen
beobachtet und auch in weiteren Fällen Einschränkungen des Hörvermögens.


6. Im Tierversuch festgestellte Dosis-Wirkungsbeziehungen:

Sh. bitte dazu: "Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCB) während der
Entwicklung der Ratte: Wirkung auf emotionales Verhalten,
Lernverhalten, geschlechtsspezifisches Verhalten und
Sexualhormone, Dissertation, Hatice Kaya, 2003" - dort S. 8:
"1.7 Akute und Chronische Toxizität
Im Allgemeinen haben PCB keine oder nur sehr geringe akute Toxizität.
Eine letale Dosis führte im Tierversuch zu allgemeinen Symptomen wie
Entkräftung und Mattigkeit („Wasting Syndrom") und führte erst nach
3 Wochen zum Tod (Rogan et al., 1992). Der LD50-Wert für
Ratten wird bei oraler Zufuhr von technischen Gemischen
abhängig vom Chlorierungsgrad in einem Bereich von
1 bis 11g/kg angegeben (Ahlborg et al., 1992)."

Auch wenn die vorhandenen Dosis-Wirkungs-Beziehungen nicht
eins zu eins auf den Dortmunder Fall übertragbar sind, so sind diese doch,
wie ich bitte meine, seriöserweise auf Anpassungsfähigkeit
im Dortmunder Fall zu prüfen, auch selbst dann, wenn anschließend lediglich
nur Risikowerte im Sinne von Obergrenzen oder Untergrenzen 
- infolge der Anpassungen - im jeweiligen Analysemodell ermittelbar sind.

Einige der o.g. Beziehungen lassen sich, wie ich meine,
prinzipiell anpassen, speziell unter Verwendung einer Datenauswahl
- z.B. unter Mitverwendung der vorgefundenen individuellen PCB-Belastungsprofile -
zwecks Feststellung eines Risikowertes als Ober-/Untergrenze im Rahmen des
speziellen Analysemodelles, wie ich schon denken möchte.


.......................................

Zu b) :
Diese klare gutachterliche Aussage aus 2012,  "dass das Risiko für eine
Krankheit bei denjenigen höher sei, die stärker belastet seien",

habe ich an den drei Anhörungstagen im Juni 2014 von
Prof. Dr. A. R. nicht ein weiteres Mal vernehmen können. Inhaltlich wird diese
Aussage jedoch bestätigt voll durch eine Aussage, wiedergegeben in
den RuhrNachrichten.de v. 20.8.2014, von Professor Dr. Thomas Kraus (HELPcB, RWTH
Aachen), welcher bedauerlicherweise bereits vom Dortmunder LG als befangen
erklärt worden war: "Je höher die Belastung mit PCB sei,
desto wahrscheinlicher werde eine Erkrankung." 

http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/selm/Ex-Mitarbeiter-mit-PCB-im-Blut-Wie-der-Envio-Giftmuellskandal-ein-Leben-zerstoert-hat;art931,2455991

Verschärfend für sehr kleine Mengen von PCB-Belastungen findet sich in
den USA - Zitatanfang:
"There is no such thing as a ‘safe level' " of PCBs.
Concentrations of PCBs commonly
found in the general U.S. population has been
clearly shown to result in adverse effects
on thyroid hormone levels, time that girls
reach puberty, blood pressure, and poorer
performance on cognitive tests.
David Carpenter, M.D., Institute for Health &
the Environment" - Zitatende. - Sh. bitte dazu:

http://chej.org/campaigns/cehp/projects/pcbs-in-schools/health-effects-of-pcbs-fact-sheet/

Dies kann so gedeutet werden: Bereits die kleinste denkbare Menge des
Gefahrstoffes greift negativ wirkend in das biologische System ein,
z.B. in dem es einen Rezeptor beschäftigt und diesen damit
von seiner üblichen, nützlichen Funktion geringfügig abhält. Eine adverse, also
eine schädliche Wirkung bleibt zunächst (latent) klein und unbeobachtbar bis
schließlich bei Erhöhung der PCB-Belastung die Nachweisbarkeitsgrenze
für eine gesundheitliche adverse Wirkung erreicht wird oder der
Betroffene ein Krankheitssymptom an seinem Körper bemerkt.

(Beispiel: Sollte sich z.B. im Zuge einer beginnenden Infektion eine denkbare
Kippsituation einstellen, nämlich dann, wenn ausgerechnet nur ein einziges geeignetes,
funktionstüchtiges Antikörperchen fehlt, so ist denkbar, dass genau dann
eine Infektion tatsächlich ausbrechen kann.)

Meine Meinung: Wie im HELPcB-Programm müssen neue Anstrengungen
unternommen werden, die Risiken genauer zu quantifizieren, wie auch
bereits teilw. geschehen und den Ausführungen unter a) entnehmbar -
d.h. auch vermehrte Quellenforschung in tausenden von Publikationen täte schon gut.

 Entsprechende Erläuterungen, auf welche Weise die nötige Erkenntnissicherheit
erreicht werden kann, fanden seitens Prof. Dr. A. R. im Juni 2014 an 3 Tagen
(ich war jeweils prozessganztägig im Saal 130 anwesend) nur spärlich statt.
Konstruktive Wege zur Erkenntnisgewinnung oder zur Ermittlung kausaler Sachverhalte
wurden, wenn überhaupt, nur beiläufig aufgezeigt. - Hinweise auf neue Möglichkeiten
in der Methodenforschung konnten nicht vernommen
werden (IT-unterstützte Simulierung von Modellen).

.......................................

Zu c) :
Die o. wiedergegebene gutachterliche Aussage halte ich für stark vereinfachend;

sie kann, für sich alleine gestellt, geeignet sein, einen falschen Eindruck zu erzeugen.


Anzumerken ist aus meiner Sicht:
Für das Eintreffen eines diagnostizierbaren Krankheitssymptomes ist
prinzipiell eine Wahrscheinlichkeit mit herzuleitenden, zugehörigen
Unsicherheiten auf Basis der erhobenen Beobachtungsdaten ermittelbar -
gerade die strenge wissenschaftliche Analyse quantifiziert das Ausmaß von zugehörigen
Unsicherheiten; diese Unsicherheitsmaße müssen zusammen mit einer Beschreibung
des angewendeten Modelles angegeben werden, damit überhaupt eine möglichst
realistische Aussagensicherheit  gewonnen und beurteilt bzw. bewertet werden kann. -

Wenn der Versuch dazu unterbleibt und kein einziger Zahlenwert mitgeteilt wird,
kann eher der Eindruck einer Scheu vor bestimmten Aussagen entstehen.

Eindeutige Ergebnisse bei den Tierversuchen können hier zu überzeugenden Aussagen
beitragen; wie beschrieben existieren auch im Humanbereich sehr wohl einige konkrete
Aussagen über die Beziehung zwischen Dosis und gesundheitlicher Auswirkung.

In diesem Sinne müsste die unter c) getroffene Aussage
- zwecks Vermeidung eines falschen Eindruckes -  wie folgt umformuliert werden:
"Es sei aber nicht möglich zu sagen, wie ... die
Belastung exakt quantizifiziert sein müsse, 
um eine Krankheit z.B. mit 95-proz. Wahrscheinlichkeit auszulösen."
Diese Aussage lässt immer noch unerwähnt, dass tatsächlich Schwellenwerte
publiziert wurden, ab denen beobachtbare gesundheitliche Veränderungen erwartet
werden können oder müssen.

Hier gilt zudem, dass im Individualfall Besonderheiten zu
berücksichtigen sind, welche hingegen bei der Untersuchung 
von Gruppen - mit der Größe der Gruppe zunehmend -
in gewisser Weise ausgemittelt werden
(eben für die Bewertung einer Gruppe anstatt eines Individualfalles).


Resumierend kann festgehalten werden, dass manche verkürzende Darstellung
in der öffentlichen Berichterstattung einen falschen Eindruck erwecken kann.


..................................................
d) Grundsätzliches - auch zu Befangenheitsfragen:

Vorhergehende Aufträge, erteilt von potenten, interessengeleiteten Auftraggebern,
könnten eine in der Zukunft wirkende, gewisse Abhängigkeit eines Gutachters
verursachen (wie gemeint werden darf), welche in anderweitig nachfolgenden
Gutachten sich niederschlagen kann -  z.B. um weiteren Aufträgen nicht den Boden
zu entziehen; hier mag schon ein Grund für eine Befangenheitssituation erkennbar sein,
was immerhin denkbar ist. 


Zum Umgang mit Unsicherheitsmaßen im gutachterlichen Beurteilungsprozess 
(meine Sicht):
Sind die Zahlenwerte der Unsicherheitsmaße von vornherein
sehr groß - wie in einigen Wirkbereichen von PCB -
so verzichtet oft die gutachterliche Beschreibung auf
eine Quantifizierungsangabe, z.B. auf die Größenangabe zu den Vertrauensintervallen -  
anstelle zu sagen, wie unsicher etwas ist oder in welchem Ausmaß
etwas unsicher ist, wird lediglich gesagt: Unsicher.  
Derartige Verkürzungen halte ich für die Wahrheitsfindung stark abträglich.

 Durch Weglassen von wichtigen, quantifizierenden Informationen konzentriert
damit der Gutachter die Bewertungshoheit zu einem Sachverhalt
- unzulässigerweise, wie ich meine - auf seine eigene Person.

(Im Juni 2014 an den drei Anhörungstagen von Prof. Dr. A.R. konnte ich nicht einen
einzigen bezifferten Kennwert zu den statistischen Ergebnissen der RWTH-Analysen
im Gutachtervortrag wiederfinden.) 

Oder: Falls der Eindruck von großer Aussagenunsicherheit von Anfang an besteht, wird
auf den Hinweis zu der Möglichkeit einer mathematisch-statistische Analyse durchaus
schon mal verzichtet - anstelle eine Quantifizierungsmöglichkeit wenigstens anzusprechen,
auszuloten bzw. zu erörtern.  Oder es wird davon abgesehen, einschlägige Erkenntniswege
detailliert aufzuspüren und diese aufzuzeigen, welche dann der Aussagensicherheit durchaus
dienlich sein können, um diese effektiv zu verbessern; stattdessen werden fragenswürdige
Zweifel gerne höher gewichtet. - Meine Eindrücke von den genannten Prozesstagen.

....................................

Informationen (Weblink s.b.u.) bzgl. gutachterlicher Tätigkeiten bei Lösemittelschäden
seitens einer Frau Dr. Angela Vogel (ehemals Verband der arbeits- und berufsbedingt
Erkrankten e.V.) sollen bitte nur darauf hinweisen, dass bei diesem ehemaligen Verband
ein Interesse an Belegstellen für gutachterliche Resultate mit Befangenheitsmerkmal
bestanden haben muss.

Frau Dr. Vogels Vortrag (sh. pdf-Dokument) ließ für mich als Laien zwar
besondere Sachkompetenz durchblicken, jedoch die Belege für teilweise
sehr kritisch formulierten Zwischentöne sind für den fachlich Unbedarften nicht direkt ersichtlich.

Vielleicht finden sich beim ehemaligen Verband arbeits- und berufsbedingt Erkrankten e.V.
zudem noch andere Hinweise, warum seinerzeit eine Frau Dr. Angela Vogel hier einen
bestimmten Kreis von Experten eher als nicht positiv einschätzte (s. S. 177 u. 178, Link sh. u.).

Das unten verlinkte pdf-Dokument kann im Übrigen ziemlich erschüttern, weil
darin aufgezeigt wird, auf welche subtile Weise wissenschaftlich begründete Aussagen
verbogen 
oder Rechte mindernd verwendet werden können - der Wunsch kann schon
aufkommen,  Frau Dr. A. Vogel wäre im Unrecht; jedoch klingt das von ihr Gesagte leider allzu logisch.
(Sh. die Vorgänge um das Berufskrankheiten-Merkblatt 13 17, welche nichts mit dem Envio-Prozess
zu tun haben, dennoch nachdenklich stimmen können.  Bedenklich stimmt insbesondere auf S. 180 des
pdf-Dokumentes - Zitat: "Die Gutachten  ... glänz(t)en in der Regel durch mehr oder
weniger gut getarnte Parteilichkeit zu Gunsten der BG-lichen Haftpflichtversicherer.", wobei
die Autorin 7 Namen von Experten aufzählte, wozu auch der Name des wichtigsten
Gutachter des Envio-Prozesses erschien (S. 178). Die Beschreibung der Autorin ist jedoch keinesfalls
der Grund,  warum ein Befangenheitsantrag seitens der Nebenklägerpartei im
Envio-Prozess gestellt wurde.)

Noch anzumerken ist, dass im Berufskrankheiten-Merkblatt Nr. 13 02 auch die
Halogenkohlenwasserstoffe abgehandelt werden,
zu denen die polychlorierten Biphenyle (PCB) gerechnet werden.

http://abekra.de/Berufskrankheiten/Risikobereiche_Risikostoffe%20allgemein/Metall_Loesemittel/Vogel-Nervenkrieg%20gegen%20Loesemittelopfer%20geht%20weiter.pdf

Fortsetzung / Fortschreibung folgt (letzte Fortschreibung  4. Dez. 2014) -
- email dazu bitte an rudolfuebbingdo@aol.com .

R.U.